Das Geheimnis der Skinwalker Ranch

Viele halten es für einen Ort des Übernatürlichen. Andere wiederum nehmen an, das Gebiet wäre verflucht. Terry Sherman war von den Ereignissen auf seiner neuen Farm jedenfalls so erschrocken, dass er das 512 Hektar große Grundstück im Nordosten Uthas, das heute als „Skinwalker Ranch“ bekannt ist, nur 18 Monate nach dem Umzug seiner vierköpfigen Familie wieder verkaufte.

Er und seine Frau Gwen teilten ihre erschütternden Erfahrungen im Juni 1996 mit einem lokalen Reporter. Die Shermans meinten, sie hätten mysteriöse Kornkreise und UFOs gesehen. Außerdem wurde ihr Vieh systematisch und wiederholt verstümmelt ­– auf ungewöhnlich chirurgisch fachmännische und unblutige Weise. Innerhalb von drei Monaten nach der Veröffentlichung der Geschichte kaufte der Immobilienmogul und UFO-Enthusiast Robert Bigelow die Ranch für 200.000 US-Dollar.

Unter dem Namen „National Institute for Discovery Science“ richtete Bigelow eine Rund-um-die-Uhr-Überwachung der Ranch ein, in der Hoffnung, den paranormalen Aktivitäten auf den Grund zu gehen. Doch obwohl dieser Aufklärungsversuch das Buch „Hunt for the Skinwalker: Science Confronts the Unexplained at a Remote Ranch in Utah“ hervorbrachte, in der mehrere der Forscher behaupteten, dort übernatürliche Phänomene beobachtet zu haben, konnten keine Beweise für die Behauptungen der Shermans vorgelegt werden.

Die Ranch wurde weiterverkauft an das Unternehmen „Adamantium Real Estate“, das seither versucht, den Namen „Skinwalker Ranch“ als Marke schützen zu lassen.

Hatten die Shermans einfach gelogen? Oder gerieten sie in den Bann einer kollektiven Täuschung? Ohne jegliche Beweise sind die Geschichten, die sie erzählten, schwer zu glauben. Das Uinta-Becken im Osten Utahs war im Laufe der Jahre eine wahre Brutstätte paranormaler Sichtungen. Einige Alien-Fans bezeichneten das Gebiet als „UFO-Allee“. "In Süd-Utah kann man keinen Stein werfen, ohne jemanden damit zu treffen, der entführt wurde", sagte der lokale Filmemacher Trent Harris gegenüber der „Deseret News“.

Laut „Hunt for the Skinwalker“ wurden seit der Ankunft der ersten europäischen Entdecker seltsame Objekte am Himmel beobachtet: 1776 berichtete der Franziskaner-Missionar Silvestre Vélez de Escalante von seltsamen Feuerbällen, die über seinem Lagerfeuer in El Rey auftauchten. Und vor den Europäern besetzten natürlich indigene Völker das Uinta-Becken. Heute grenzt die „Skinwalker Ranch“ an das Uintah- und Ouray-Indianerreservat des Ute-Stamms.

Haben die Shermans vielleicht Dinge gesehen, die den amerikanischen Ureinwohnern schon vor Jahrhunderten bekannt waren?

 

Geheimnisvolle Kreaturen

 

Die Shermans berichteten nicht nur von UFO-Sichtungen. Sie behaupteten auch, mysteriöse Kreaturen gesehen zu haben. Vor allem ein Wolf, der dreimal so groß gewesen sein soll wie ein gewöhnliches Exemplar, blieb den Shermans in Erinnerung.

In der Nacht des 12. März 1997 – nachdem die Ranch verkauft worden war – behauptete der Biochemiker Colm Kelleher, eine große humanoide Kreatur habe das Forschungsteam des „National Institute for Discovery Science“ von einem Baum aus ausspioniert. Wie er in „Hunt for the Skinwalker“ ausführlich beschreibt, war die Kreatur ungefähr 50 Meter von ihnen entfernt. "Die große Kreatur, die regungslos, fast unbemerkt, im Baum lag", sagte Kelleher. "Der einzige Hinweis auf die Anwesenheit des Tieres waren die gelb leuchtenden Augen, als es in das Licht starrte."

Nachdem Kelleher mit einem Gewehr auf die Kreatur geschossen hatte, verschwand sie. „Damals sah ich es, einen ovalen Abdruck mit einem Durchmesser von etwa fünfzehn Zentimetern, der in der Schneeoberfläche klar erkennbar war. Er sah ungewöhnlich aus: Ein einzelner großer Abdruck im Schnee mit zwei scharfen Krallen, die von hinten herausragen. Es sah fast so aus wie die Spur eines Raubvogels, aber viel größer und der Tiefe des Abdrucks nach war sie von einer sehr schweren Kreatur.“

Wiederholte Sichtungen von menschenähnlichen Kreaturen haben einige dazu veranlasst, sich dabei auf den Begriff „Skinwalker“ zu berufen, einem formwandelnden Wesen aus der Stammesfolklore der Navajo. Unter den Navajo sind Skinwalker ähnlich wie Werwölfe: böse Hexen, die sich in die Kreaturen ihrer Wahl verwandeln können.

Aber Shermans Familienranch lag über 600 Kilometer nördlich von „Navajo Nation“, eigentlich lag sie direkt neben Gebiet der Ute. Als sich die Wege der Ute und Navajo kreuzten, herrschte eine konfrontative Stimmung zwischen den Völkern, erklärt die Historikerin Sondra Jones, Autorin von „Being and Becoming Ute“.

"Es war nicht freundlich", sagt Jones. „Die Navajo waren aggressivere Leute; Sie nahmen Sklaven, sie hatten Ute-Sklaven. Und es gab direkte Konflikte, als die Navajo versuchten, in das Gebiet der Ute vorzudringen“.

 

Verfluchtes Wasser, verfluchte Lichter

 

Während „Skinwalker“ im Glauben der Ute nicht vorkommen, gibt es andere Aspekte der Geschichte um die Ranch, die im Kontext der Ute-Überlieferung stehen.

Andere unerklärliche Sichtungen ereigneten sich direkt nebenan in Bottle Hollow, einem 420 Hektar großen künstlichen Stausee auf dem Land der Ute, das an die Ranch angrenzt. 1970 wurde der See durch ein Mandat der Bundesregierung mit frischem Wasser gefüllt. Im Jahr 1998 sah ein Polizist ein großes Licht in den Stausee stürzen, das dann wieder auftauchte und in den Nachthimmel flog. Eines Nachts im Jahr 2002 sahen vier junge Männer, die am Ufer des Stausees standen, einen blau-weißen Ball in den künstlichen See eindringen.

Laut des Werks „Hunt for the Skinwalker“ stürzte der leuchtende Ball nur wenige Meter vom Ufer entfernt ins Wasser und tauchte Sekunden später in einer neuen Form auf: als schimmernder, gürtelförmiger Lichtstrahl. "Nach einem kurzen Lufttanz löste sich der Lichtgürtel mit hoher Geschwindigkeit auf und stieß auf den Boden, bevor er unter der Spitze des Skinwalker-Bergkamms verschwand."

Das Auftreten übernatürlicher Phänomene rund um Bottle Hollow macht im Kontext des Ute-Glaubens Sinn. Laut Jones waren dem Volk der Ute nach Quellen und bestimmte Wasserstraßen Orte negativer Energie. Es gab böse Geister, die sich aus dem Wasser erhoben, um einen mit in die Tiefe zu ziehen.

Abgesehen von Erklärungen durch die indigene Überlieferung wurde über mögliche Aktivitäten von Außerirdischen und auch über geheime Experimente der Regierung spekuliert. Jetzt versucht die Doku-Reihe „Das Geheimnis der Skinwalker Ranch“ Antworten zu finden, nachdem der neue Besitzer der Ranch, Brandon Fugal, eine erneute Untersuchung der Phänomene finanziert. Ein Expertenteam setzt harte Wissenschaft, einschließlich Drohnenthermografie und Lasertechnologie, ein, um die gesamte Ranch bis ins kleinste Detail zu erforschen.

 

>> Zum Interview mit dem jetzigen Besitzer Brandon Fugal und Wissenschaftler Dr. Travis Taylor