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Foto © A+E Networks / HISTORY CHANNEL

Am Morgen des 11. September 2001 wurde das World Trade Center in New York zum Schauplatz einer der schlimmsten Terroranschläge der Geschichte. Innerhalb weniger Minuten verwandelten sich die Zwillingstürme in ein Inferno. Brände breiteten sich aus, Treppenhäuser füllten sich mit Rauch und jede Entscheidung konnte über Leben und Tod entscheiden.

Viele Geschichten dieses Tages endeten tragisch. Doch einige Menschen überlebten – oft dank außergewöhnlicher Geistesgegenwart, unerschütterlichem Mut oder schlichtem Zufall. Ihre Erinnerungen geben einen eindringlichen Einblick in die dramatischen Minuten vor dem Einsturz der Türme und zeigen, wie tief die Ereignisse ihr weiteres Leben geprägt haben.

Anlässlich des 25. Jahrestags der Anschläge zeigt THE HISTORY Channel die Dokumentation „9/11 – 102 Minuten in den Türmen“. Darin erzählen vier Überlebende, wie sie den Terroranschlägen entkamen – und welche körperlichen und seelischen Folgen sie bis heute begleiten.


Jan Demczur

Als American-Airlines-Flug 11 in den Nordturm einschlug, brach im World Trade Center Chaos aus. John Paczkowski und George Phoenix saßen zu diesem Zeitpunkt in einem Aufzug fest. Rauch drang in den Schacht, das Gebäude war schwer beschädigt – eine Flucht schien aussichtslos.

Dann trafen sie auf Jan Demczur, einen Mitarbeiter der Hafenbehörde. Er hatte lediglich einen Fensterabzieher bei sich. Mit diesem einfachen Werkzeug gelang es ihm, die Wand des Aufzugsschachts aufzubrechen und einen Fluchtweg zu schaffen.

Demczur rettete damit nicht nur sich selbst, sondern auch den beiden eingeschlossenen Männern das Leben. Seine Geschichte zeigt, wie in Extremsituationen selbst unscheinbare Gegenstände und entschlossenes Handeln den entscheidenden Unterschied machen können.

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9/11 – 102 Minuten im World Trade Center

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Louise Traynor

Für Louise Traynor hatte gerade ein neuer Lebensabschnitt begonnen. Die damals 24-Jährige war Anfang 2001 aus dem nordirischen County Armagh nach New York gezogen, nachdem sie über die US-Visalotterie eine Green Card gewonnen hatte. Sie hatte sich bei einem früheren Besuch in die Stadt verliebt und wollte sich dort eine Zukunft aufbauen.

Am Morgen des 11. September arbeitete sie im Südturm des World Trade Centers. Als das erste Flugzeug den Nordturm traf, wusste zunächst niemand, was geschehen war. Wenige Minuten später schlug United-Airlines-Flug 175 in den Südturm ein.

Louise erinnerte sich später an den ohrenbetäubenden Lärm, die Panik und die Verzweiflung im Gebäude: „Ich dachte: Ich stehe meiner eigenen Sterblichkeit gegenüber. Ich bin tot.“

Trotz der Angst lief sie weiter, kämpfte sich durch das beschädigte Gebäude und konnte den Turm noch vor dessen Einsturz verlassen. Was als Neuanfang in New York gedacht war, wurde zu einem Erlebnis, das ihr Leben für immer veränderte.
 

Felipe Oyola

Felipe Oyola verabschiedete sich am Morgen des 11. September mit einem Kuss von seiner Frau Adianes. Beide arbeiteten im Südturm – Felipe im 81. Stock für die Fuji Bank, Adianes im 78. Stock.

Obwohl sich Felipe nur wenige Stockwerke über der Einschlagstelle von Flug 175 befand, gehörte er zu den wenigen Menschen, denen aus diesem Bereich die Flucht gelang. Nachdem eine Lautsprecherdurchsage die Beschäftigten zunächst aufgefordert hatte, in ihren Büros zu bleiben, entschloss er sich dennoch, nach seiner Frau zu suchen.

Als er den 78. Stock erreichte, bot sich ihm ein Bild des Schreckens.

„Sobald ich oben war, schaute ich aus dem Fenster und sah herabfallende Trümmer und Menschen. Dann stürzte das Büro auf mich. Ich konnte fliehen und suche seitdem nach meiner Frau.“

Es war das letzte Mal, dass Felipe seine Frau sah.
 

Harry Waizer

Auch Harry Waizer überlebte unter außergewöhnlichen Umständen. Der Vizepräsident und Steuerberater des Finanzdienstleisters Cantor Fitzgerald befand sich auf dem Weg zu seinem Büro im 104. Stock des Nordturms, als American-Airlines-Flug 11 einschlug.

Sein Aufzug befand sich zwischen dem 78. und 101. Stockwerk, als die Explosion das Gebäude erschütterte.

Später schilderte Waizer, wie der Aufzug heftig ins Schwanken geriet und anschließend mehrere Stockwerke in die Tiefe stürzte. Flammen schlugen in die Kabine, seine Kleidung fing Feuer. Beim Versuch, die Flammen zu löschen, erlitt er schwere Verbrennungen an Händen und Armen.

Schließlich kam der Aufzug im 78. Stock zum Stillstand und ermöglichte ihm die Flucht.

Waizer erlitt lebensgefährliche Verbrennungen und schwere Lungenschäden. Er verbrachte fünf Monate im Krankenhaus, musste sich zahlreichen Operationen unterziehen und kämpfte sich in mehr als anderthalb Jahren Rehabilitation zurück ins Leben. Bis heute leidet er unter dauerhaften Nervenschäden und chronischen Schmerzen.

Dennoch sieht er sich als einen der Glücklichen. „Ich gehöre zu den wenigen Glücklichen.“ Bis heute empfindet er es als Verantwortung, für all jene zu sprechen, die ihre Geschichte nicht mehr selbst erzählen können.