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Am 30. Juli 1930 gewann Uruguay die erste je ausgetragene Fußball-Weltmeisterschaft. Organisiert wurde die Großveranstaltung von der FIFA („Fédération Internationale de Football Association“), dem Dachverband für Fußball.

 

Vorgeschichte zur Entstehung der Fußball-Weltmeisterschaft

Vor 1930 fanden internationale Fußballwettbewerbe nur mit Amateurspielern im Rahmen der Olympischen Sommerspiele statt, beginnend mit den Spielen 1908 in London. Die meisten teilnehmenden Mannschaften kamen aus Europa, da die Spiele – abgesehen von jenen in St. Louis – immer am europäischen Kontinent ausgetragen wurden und allein die Anreise für die meisten Nationen nicht finanzierbar war. Als 1924 mit Uruguay erstmals ein südamerikanisches Fußballteam an den Olympischen Spielen teilnahm, wurde darüber zuerst abfällig berichtet – niemand in Europa hatte sich bisher tiefergehend mit der Beliebtheit und dem Professionalitäts-Level des Ballsports auf dem fernen Kontinent befasst. Am Ende siegten die Spieler aus Uruguay, die taktisch und läuferisch weitaus besser als all ihre Konkurrenten waren. (Ihre Teilnahme an den Spielen hatte ein Zahnarzt aus Montevideo finanziert.)

Am 26. Mai 1928, dem Eröffnungstag des Olympischen Fußballturniers in Amsterdam, kündigte FIFA-Präsident Jules Rimet die Idee eines neuen Turniers für Profispieler an, der Fußball-Weltmeisterschaft. Die FIFA war bereits vier Jahre vor den Olympischen Spielen von 1908 in London gegründet worden.

Italien, die Niederlande, Spanien, Schweden und Uruguay bewarben sich um die Ausrichtung der neuen Großveranstaltung, letztere bekamen den Zuschlag, um nicht zuletzt ihren Erfolg in dem Sport – das Land konnte auch den Fußballwettbewerb bei den Olympischen Spielen 1928 für sich entschieden – zu würdigen. Uruguay, das sich ebenfalls auf das 100-jährige Bestehen seiner ersten Verfassung vorbereitete, hatte großzügig angeboten, die Kosten aller teilnehmenden Mannschaften zu erstatten und zu diesem Anlass ein neues Stadion zu bauen.

 

Fußball-Weltmeisterschaft 1930

Die erste Fußball-Weltmeisterschaft fand vom 13. bis 30. Juli 1930 statt, alle Spiele wurden in der Hauptstadt Montevideo ausgetragen. Das neue Stadion konnte aufgrund der schlechten Wetterverhältnisse im Vorfeld der Veranstaltung nicht rechtzeitig zur Eröffnung fertiggestellt werden, so dass zu Beginn auf andere Austragungsstätten in der Großstadt ausgewichen werden musste.

Heutzutage nehmen an der Weltmeisterschaft die besten 32 Mannschaften von über 200 in der Qualifikation antretenden Nationen teil. 1930 war die Liste der teilnehmenden Nationen übersichtlicher: Argentinien, Brasilien, Bolivien, Chile, Mexiko, Paraguay, Peru, USA, Uruguay, Belgien, Frankreich, Rumänien und Jugoslawien.

Der Hauptgrund für die wenigen europäischen Teilnehmer war die schiere Entfernung zu dem Austragungsort. Für die Reise nach Uruguay musste man allein zwei bis drei Wochen für die Überquerung des Atlantiks mit einem Schiff einrechnen. Tatsächlich haben sich die Rumänen erst nach persönlicher Intervention des neu gekrönten Königs Carol II., der den Kader selbst auswählte, zum Wettbewerb angemeldet, und auch die Franzosen mussten von FIFA-Präsident Jules Rimet überzeugt werden.

Laut dem französischen Stürmer Lucien Laurent, der am ersten Tag des Turniers gegen Mexiko in der 19. Minute vor nur 4.400 Zuschauern im Schneegestöber das erste Weltcup-Tor überhaupt erzielen würde, reiste die französische Mannschaft in Begleitung jener aus Belgien und Jugoslawien 15 Tage lang über den Atlantik. Während Kraftübungen unter Deck gemacht wurden, fanden Trainingseinheiten an Deck statt.

 

Finale: Uruguay gegen Argentinien

Am 30. Juli 1930 fand das Finale im Estadio Centenario vor 93.000 Fans statt, und Uruguay schlug seine argentinischen Nachbarn mit 4:2. Vor dem Anpfiff war die Frage, welcher Ball verwendet werden sollte, ein großer Streitpunkt zwischen den beiden Mannschaften. Am Ende einigte man sich darauf, in der ersten Halbzeit einen argentinischen, in der zweiten Halbzeit einen uruguayischen Ball zu nehmen. Es war ein verrückter Tag, an dem rund 15.000 Argentinier versuchten, mit dem Schiff von Buenos Aires nach Montevideo zu gelangen, was die Kapazität des Hafens sprengte. Das Stadion öffnete bereits um 8 Uhr morgens, trotzdem schafften es nicht alle Ticketbesitzer rechtzeitig zum Anpfiff auf ihrem Platz zu sein. Einige der Spieler hatten Morddrohungen von Fans des Konkurrenzteams erhalten. Der belgische Schiedsrichter John Langenus war so besorgt um seine eigene Sicherheit, dass er darum bat, dass auf ihn unmittelbar nach dem Schlusspfiff ein Boot warten sollte, um ihn vor wütenden Fußballanhängern zu schützen – die argentinischen Fans hatten bereits den ganzen Tag den Kampfruf "Sieg oder Tod" proklamiert. Der Belgier war es auch der durchsetzte, dass Revolver an jenem Tag im Stadion verboten wurden. So wurden den Zuschauern über 1.500 Schusswaffen abgenommen.

Die erste Fußball-Weltmeisterschaft von 1930 ging nicht zuletzt wegen der Dramatik vor und während des Endspiels für immer in die Sportgeschichte ein.

Am Ende der ersten Fußball-WM war kein Spiel unentschieden ausgegangen und die USA wurden als Drittplatzierte aufgeführt, obwohl kein "kleines Finale" gegen Jugoslawien, die andere Nation, die im Halbfinale verlor, ausgetragen wurde. Der Grund dafür lag darin, dass die USA etwas besser in der Spielphase abgeschnitten hatte als Jugoslawien.