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Pol Pot war ein politischer Führer, dessen kommunistische Regierung der Roten Khmer Kambodscha von 1975 bis 1979 unter eine Schreckensherrschaft stellte. Durch soziodemografische Selektion sollte eine kambodschanische „Herrenrasse“ entstehen. Letztendlich führte das zum Tod von mehr als 2 Millionen Menschen im südostasiatischen Land. Die Getöteten wurden entweder als Feinde des Regimes hingerichtet oder starben an Hunger, Krankheit oder Überarbeitung. Historisch gesehen ist diese Zeit – wie der Film „The Killing Fields“ (1984) zeigt – als kambodschanischer Genozid bekannt. Einige Historiker betrachten das Pol-Pot-Regime als eines der barbarischsten und mörderischsten der jüngeren Geschichte.

 

Pol Pot: Die frühen Jahre

Saloth Sar, besser bekannt unter seinem Pseudonym Pol Pot, wurde 1925 in dem kleinen Dorf Prek Sbauv, etwa 160 Kilometer nördlich der Hauptstadt Kambodschas, Phnom Penh, geboren. Seine Familie war recht wohlhabend und besaß etwa 50 Hektar an Reisfeldern, was etwa das Zehnfache des Landesdurchschnitts darstellte.

1934 zog Pol Pot nach Phnom Penh, wo er ein Jahr in einem buddhistischen Kloster verbrachte, bevor er eine französische katholische Grundschule besuchte. Seine kambodschanische Ausbildung dauerte bis 1949, als er mit einem Stipendium nach Paris ging. Dort studierte er Funktechnik und wurde in kommunistischen Kreisen aktiv.

Wussten Sie? Während des brutalen Regimes von Pol Pot und den Roten Khmer wurden Millionen von Menschen in Kambodscha getötet. Ihre Leichen wurden in Massengräbern begraben, die als „Killing Fields“ bezeichnet wurden.

Als Pol Pot im Januar 1953 nach Kambodscha zurückkehrte, revoltierte die ganze Region gegen die französische Kolonialherrschaft. Kambodscha erlangte im selben Jahr offiziell seine Unabhängigkeit.

 

Rote Khmer

Pol Pot trat unterdessen der protokommunistischen Revolutionären Volkspartei der Khmer (RVPK) bei, die 1951 unter der Schirmherrschaft von Nordvietnamesen gegründet worden war. Von 1956 bis 1963 unterrichtete Pol Pot an einer Privatschule Geschichte, Geografie und französische Literatur und plante gleichzeitig eine Revolution.

1960 half Pol Pot dabei, die RVPK in eine Partei umzuwandeln, die sich speziell dem Marxismus-Leninismus verschrieben hatte. Er stieg zum kambodschanischen Parteichef auf. Mit der neu gegründeten Guerilla-Armee der Roten Khmer startete er 1968 einen nationalen Aufstand. Die Roten Khmer operierten hauptsächlich in abgelegenen Dschungel- und Berggebieten im Nordosten des Landes, nahe der Grenze zu Vietnam, das zu dieser Zeit in seinen eigenen Bürgerkrieg verwickelt war.

 

Die Roten Khmer an der Macht

Im März 1970 initiierte General Lon Nol einen Militärputsch, während Kambodschas Führer, Prinz Norodom Sihanouk, außer Landes war. Daraufhin brach ein Bürgerkrieg aus, in dem sich Prinz Norodom mit den Roten Khmer verbündete und Lon Nol die Unterstützung der Vereinigten Staaten erhielt.

Sowohl die Roten Khmer als auch die Truppen von Lon Nol sollen massenhaft Gräueltaten begangen haben. Zur gleichen Zeit stürmten etwa 70.000 US- und südvietnamesische Soldaten die vietnamesisch-kambodschanische Grenze, um nordvietnamesische und Vietcong-Truppen zu bekämpfen, die in Kambodscha Zuflucht gefunden hatten.

Auch US-Präsident Richard M. Nixon ordnete im Rahmen des Vietnamkrieges einen geheimen Bombenangriff an. Innerhalb von vier Jahren warfen US-Flugzeuge 500.000 Tonnen Bomben auf Kambodscha ab – und damit mehr als dreimal so viele wie im Zweiten Weltkrieg auf Japan.

Als der US-Bombenangriff im August 1973 endete, war die Zahl der Truppen der Roten Khmer exponentiell gestiegen. Sie kontrollierten nun etwa drei Viertel des kambodschanischen Territoriums. Kurz darauf begannen sie, Phnom Penh mit Raketen und Artillerie zu beschießen.

Ein letzter Angriff auf die von Flüchtlingen bevölkerte Hauptstadt begann im Januar 1975, als die Roten Khmer den Flughafen bombardierten und Flussübergänge blockierten. Eine US-Luftbrücke mit Hilfsgütern konnte Tausende von Kindern nicht vor dem Verhungern bewahren.

Schließlich drangen die Roten Khmer am 17. April 1975 in die Hauptstadt ein, gewannen den Bürgerkrieg und beendeten die Kämpfe. Während des Bürgerkriegs waren bereits etwa eine halbe Million Kambodschaner gestorben. Doch das Schlimmste stand noch bevor.

 

 

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Demokratisches Kampuchea

Als Anführer der Roten Khmer während ihrer Zeit als aufständische Bewegung kam Pol Pot mit den Stämmen im ländlichen Nordosten Kambodschas in Kontakt, die er bewunderte. Diese Stämme waren autark und lebten von den Gütern, die sie durch Subsistenzwirtschaft produzierten.

Diese Völker, so empfand er, waren insofern wie Gemeinden, als sie zusammenlebten, sich die Früchte ihrer Arbeit teilten und nicht von Geld, Reichtum und Religion – zu jener Zeit war das in den Städten vor allem der Buddhismus – befleckt waren.

Nachdem Pol Pot von den Roten Khmer zum Führer des Landes ernannt worden war, machten sich Pol Pot und die ihm treuen Truppen schnell daran, Kambodscha, das sie in Demokratisches Kampuchea umbenannt hatten, nach dem Vorbild dieser ländlichen Stämme umzugestalten, in der Hoffnung, eine kommunistische Landwirtschaft zu schaffen.

 

Genozid in Kambodscha

Fast unmittelbar nach der Machtübernahme siedelten die Roten Khmer viele der 2,5 Millionen Einwohner von Phnom Penh um. Ehemalige Beamte, Ärzte, Lehrer und andere Fachkräfte wurden ihres Besitzes beraubt und im Rahmen eines Umerziehungsprozesses gezwungen, auf den Feldern zu arbeiten. 1975 erklärte Pol Pot zum „Jahr Null“ und schirmte Kampuchea von der Weltgemeinschaft ab.

Unter Pol Pot kontrollierte der Staat alle Aspekte des Lebens einer Person. Geld, Privateigentum, Schmuck, Glücksspiele, das meiste Lesematerial und Religion waren verboten; die Landwirtschaft wurde kollektiviert; Kinder wurden aus ihren Häusern geholt und zum Militärdienst gezwungen; strenge Regeln für sexuelle Beziehungen, erlaubten Wortschatz und Kleidung wurden festgelegt.

Diejenigen, die sich über die Arbeit beschwerten, ihre Rationen heimlich aufstockten oder Regeln brachen, wurden üblicherweise in einer Haftanstalt wie dem berüchtigten S-21 gefoltert und dann getötet. Während des Völkermordes in Kambodscha füllten die Knochen von Millionen von Menschen, die an Unterernährung, Überarbeitung oder unzureichender Gesundheitsversorgung starben, Massengräber im ganzen Land.

Das Regime von Pol Pot hat auch Tausende von Menschen hingerichtet, die es als Staatsfeinde bezeichnet hatte. Auch diejenigen, die als Intellektuelle oder potenzielle Führer einer revolutionären Bewegung galten, wurden hingerichtet. Der Legende nach wurden einige getötet, weil sie eine Brille trugen oder eine Fremdsprache beherrschten.

 

 

 

Das Ende der Gewaltherrschaft

Anfangs regierte Pol Pot weitgehend hinter den Kulissen. 1976 wurde er Premierminister, nachdem Prinz Norodom zum Rücktritt gezwungen worden war. Zu dieser Zeit kam es an der Grenze von Kambodscha zu Vietnam regelmäßig zu kleineren Konflikten.

1977 verschärften sich die Kämpfe; im Dezember 1978 schickten die Vietnamesen mehr als 60.000 Soldaten sowie Luft- und Artillerieeinheiten über die Grenze. Am 7. Januar 1979 nahmen sie Phnom Penh ein und zwangen Pol Pot, in den Dschungel zu fliehen. Pol Pot hatte versucht, seinen Einfluss auf das neu vereinigte Vietnam auszudehnen, aber seine Truppen waren schnell zurückgedrängt worden.

 

Pol Pots letzte Jahre

Die Roten Khmer blieben als Aufständische aktiv, wenn auch mit abnehmendem Einfluss. Vietnam behielt während eines Großteils der 1980er Jahre die Kontrolle über das Land mit einer Militärpräsenz – trotz der Einwände der Vereinigten Staaten. Doch der Einfluss der Roten Khmer begann nach einem Waffenstillstandsabkommen von 1991 zu sinken. Die Bewegung brach Ende des Jahrzehnts vollständig zusammen.

Im Laufe der Jahrzehnte seit dem Fall der Roten Khmer hat Kambodscha nach und nach die Beziehungen zur Weltgemeinschaft wiederhergestellt, obwohl das Land immer noch mit Problemen konfrontiert ist, darunter weit verbreitete Armut und Analphabetismus. Prinz Norodom kehrte 1993 zurück, um Kambodscha zu regieren, obwohl er jetzt unter einer konstitutionellen Monarchie regiert.

1997 nahm eine Splittergruppe der Roten Khmer Pol Pot gefangen und stellte ihn unter Hausarrest. Er starb am 15. April 1998 im Alter von 72 Jahren im Schlaf an Herzversagen.

Ein von den Vereinten Nationen unterstütztes Tribunal hat nur eine Handvoll Anführer der Roten Khmer wegen ihrer Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilt.

 

 

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