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Am 5. Juli 1946 enthüllt der französische Designer Louis Réard eine gewagte zweiteilige Bademode im „Piscine Molitor“, einem beliebten Schwimmbad in Paris. Das Pariser Showgirl Micheline Bernardini präsentiert die modische Revolution, die Réard "Bikini" nannte, inspiriert von einem Atomwaffentest der USA, der vier Tage zuvor vor dem Bikini-Atoll im Pazifischen Ozean stattfand.

 

GESCHICHTE

Frauen in Europa begannen bereits in den 1930er Jahren zweiteilige Badeanzüge zu tragen, die aus einem Neckholder-Oberteil und Shorts bestanden. Anders als bei den späteren Modellen war nackte allerdings nur minimal zu sehen – der Bauchnabel blieb bedeckt. In den Vereinigten Staaten tauchte der Zweiteiler erstmals während des Zweiten Weltkriegs auf, als wegen der Rationierung von Stoffen der Rockteil gekürzt und andere überflüssige Materialien entfernt wurden. Zur selben Zeit war in Europa kaum an einen Besuch am Strand zu denken, außerdem war das Tragen einer zweiteiligen Badekleidung bereits vor Kriegsbeginn untersagt. Die Entwicklung der Bademode kam in der Zeit zum Erliegen.

 

Startschuss für die modische Revolution

1946 begrüßten die Westeuropäer freudig den ersten kriegsfreien Sommer seit Jahren. Französische Designer wollten die befreite Stimmung der Menschen auch über ihre Mode auffangen. Zwei französische Designer, Jacques Heim und Louis Réard, arbeiteten an konkurrierenden Prototypen des Bikinis. Heim nannte sein Modell das „Atom“ und bewarb ihn als „den kleinsten Badeanzug der Welt“. Réards Badeanzug, der im Grunde ein BH-Oberteil und zwei Stoffdreiecke war, die durch Schnüre verbunden waren, war im direkten Vergleich allerdings deutlich kleiner. Réard bewarb daraufhin seine Kreation, „Bikini“, als „kleiner als der kleinste Badeanzug der Welt“. In seiner Gesamtheit bestand das Fashion Piece aus 30 Zoll (194 cm2) Stoff.

 

 

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Bei der Planung der Präsentation seines neuen Badeanzugs hatte Réard Schwierigkeiten, ein professionelles Model zu finden, das sich herablassen würde, den skandalös knappen Zweiteiler zu tragen. Also wandte er sich an Micheline Bernardini, eine exotische Tänzerin im „Casino de Paris“, die keine Skrupel hatte, sich auch nackt in der Öffentlichkeit zu zeigen. Als Anspielung auf die Schlagzeilen, die sein Badeanzug hervorbringen würde, bedruckte er den Bikini, den Bernardini am 5. Juli präsentieren würde, mit Zeitungs-Schlagzeilen. Der Bikini war vor allem bei Männern ein Hit, in kürzester Zeit erreichten Bernardini rund 50.000 Fanbriefe.

An der Mittelmeerküste sorgten mutige junge Frauen in Bikinis schon bald für Furore. Spanien und Italien erließen Maßnahmen zum Verbot von Bikinis an öffentlichen Stränden, jedoch änderten sich die konservative Einstellung zugunsten einer offenen Kultur und der Zweiteiler wurde in den 1950er Jahren auf europäischen Stränden allgegenwärtig. Immer mehr Designer fluteten mit ihren zweiteiligen Badeanzügen den Markt, doch Réard hielt die Bikini-Mystik am Leben, indem er damit warb, dass ein zweiteiliger Badeanzug kein echter Bikini sei, „es sei denn, er könnte durch einen Ehering gezogen werden“.

 

Verbreitung in den USA

Im prüden Amerika wurde gegen den Bikini bis Anfang der 1960er Jahre erfolgreich Widerstand geleistet, als eine neue Strömung der jugendlichen Befreiung das Fashion Piece nun auch an die US-Strände brachte. Gefestigt wurde diese modische Revolution durch den Popstar Brian Hyland, der 1960 „Itsy Bitsy Teenie Weenie Yellow Polka-Dot Bikini“ veröffentlichte, durch die Teenager-„Beach“-Filme von Annette Funicello und Frankie Avalon und durch die kalifornische Surfkultur, die von Rock Bands wie den „Beach Boys“ gefeiert wurde. Seitdem ist die Popularität des Bikinis immer weiter gestiegen.

 

 

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