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Die ikonischen Zwillingstürme des World Trade Centers in Downtown Manhattan waren ein Triumph der menschlichen Vorstellungskraft. Die beiden Türme wurden 1973 fertiggestellt und hatten jeweils 110 Stockwerke. Sie beherbergten 50.000 Arbeiter und 200.000 tägliche Besucher auf einer Fläche von 929 Quadratkilometer. Das World Trade Center war das Zentrum des geschäftigen Financial District, eine Top-Touristenattraktion und ein Wahrzeichen New Yorks.

Am 11. September 2001 wurde das World Trade Center zum Ziel eines Terroranschlags, bei dem fast 3.000 Menschen ums Leben kamen. Die Katastrophe veränderte auch die Skyline von New York City für immer.

 

World Trade Center: Ein Traum ist geboren

Die Weltausstellung von 1939 in New York umfasste eine Ausstellung namens „World Trade Center“, die dem Thema „Weltfrieden durch Handel“ gewidmet war. Sieben Jahre später leitete einer der Organisatoren der Ausstellung, Winthrop W. Aldrich, eine neue staatliche Einrichtung mit dem Ziel, eine permanente Handelsausstellung mit Sitz in New York zu schaffen. Marktforschungen ergaben jedoch, dass die Stadt eher von einer Modernisierung ihrer Häfen profitieren würde. Der ursprüngliche Plan wurde daraufhin verworfen.

Wusstest du schon? Mehr als 10.000 Arbeiter waren am Bau des World Trade Center-Komplexes beteiligt.

Aldrichs Neffe David Rockefeller fand weiterhin Gefallen an der Idee. Als Enkel des Gründers von „Standard Oil“, John D. Rockefeller, beschloss David, das World Trade Center-Konzept als Kernstück einer Neubelebung Lower Manhattans zu verfolgen. Im Mai 1959 gründete Rockefeller die „Downtown-Lower Manhattan Association“, die einen 250-Millionen-Dollar-Komplex in der Nähe des Fulton Fish Market am East River plante, einschließlich eines einzigen 70-stöckigen Büroturms und mehrerer kleinerer Gebäude.

 

Port of New York Authority

Für die benötigten Ressourcen und Unterstützung, das Projekt zum Laufen zu bringen, wandte sich Rockefeller an die Port of New York Authority. Die Hafenbehörde von New York und New Jersey war 1921 entstanden, um alle Transportterminals und -einrichtungen im Umkreis von 40 Kilometern um die Freiheitsstatue zu errichten und zu betreiben. 1960, nach dem Bau des Lincoln-Tunnels und der George-Washington-Bridge, erlangte die Hafenbehörde mit 5.000 Mitarbeitern und mehr als 1 Milliarde Dollar an Fracht- und Transportstrukturen großen Einfluss. Geleitet wurde die Behörde von Direktor Austin J. Tobin.

Die Port Authority hatte gerade zugestimmt, die Pendlerbahn Hudson und Manhattan in New Jersey – ein 1908 gebauter PATH-Zug (Port Authority Trans Hudson) – zu übernehmen und zu sanieren. Das PATH-Terminal befand sich auf der Westseite von Lower Manhattan, und Tobins Team beschloss, den zukünftigen Standort des Handelszentrums von Ost nach West zu verlegen und die beiden Projekte zu kombinieren. Eine Region, die von Vesey, Church, Liberty und West Street begrenzt wird – bekannt als „Radio Row“ aufgrund der vielen Unterhaltungselektronik-Läden – müsste für den Bau des Handelszentrums dem Erdboden gleichgemacht werden. Nach einem erbitterten Rechtsstreit mit Vertretern der Händler der Radio Row gewann die Hafenbehörde schlussendlich.

 

Sehenswürdigkeiten auf rekordverdächtiger Höhe

Zu diesem Zeitpunkt hatte die Hafenbehörde beschlossen, dass das neue Handelszentrum das 381 Meter hohe Empire State Building aus dem Jahr 1931 als höchstes Gebäude der Welt ersetzen sollte. Um die Anforderungen der Hafenbehörde zu erfüllen, entwarf der Architekt Minoru Yamasaki zwei Türme mit je 110 Stockwerken. Anstelle der traditionellen gestapelten Glas-Stahl-Kastenkonstruktion vieler New Yorker Wolkenkratzer arbeitete Yamasaki mit Statikern zusammen, um eine revolutionäre Bauart zu entwickeln: zwei hohle Rohre, die von eng beieinander liegenden, mit Aluminium ummantelten Stahlsäulen getragen werden. Bodenträger verbanden dieses außenliegende Stahlgitter mit dem zentralen Stahlkern des Gebäudes. Auf diese Weise war die Außenhülle des Gebäudes stark genug, den Turm trotz fehlender innerer Stützen zusammenzuhalten.

Die Bauarbeiten begannen im Februar 1967, nachdem die Hafenbehörde von vielen mächtigen Persönlichkeiten – darunter der Immobilienmagnat ­und Besitzer des Empire State Building – Lawrence Wien, Kritik an der Sicherheit der Türme geäußert hatten. Wien schaltete im Mai 1968 sogar eine Anzeige in der New York Times, in der vorausgesagt wurde, dass wahrscheinlich ein Verkehrsflugzeug in die Türme fliegen würde. Es gab bereits Pläne, um sich gegen einen solchen Unfall zu schützen. Zu einer solchen Katastrophe war es mit einem kleineren Flugzeug im Juli 1945 am Empire State gekommen. Die neuen Türme waren so konstruiert, dass sie einer Kollision mit einer voll beladenen 707, dem größten existierenden Flugzeug zu der Zeit, standhalten würden. Es wurde angenommen, dass ein solches Flugzeug im Nebel verloren gehen müsste, um ein solches Ereignis herbeizuführen; einen möglichen Terroranschlag hatte niemand im Blick.

 

Ingenieursleistung

Die Arbeiter mussten in Lower Manhattan erst 21 Meter tief graben, um das Grundgestein zu erreichen. Es wurde ein ein Meter breiter Graben ausgehoben, der mit einer Mischung aus Wasser und Bentonit, einer Tonart, die sich bei Nässe ausdehnt, gefüllt wurde. Anschließend senkten die Arbeiter einen 22 Tonnen schweren, sieben Stockwerke hohen Stahlkäfig in den Graben und füllten ihn mit Beton. Beim Einfließen des Betons verdrängte er die die Betonitmischung.

Durch die Herstellung von mehr als 150 dieser Grabensegmente umschlossen die Arbeiter ein Gebiet, das zwei Blöcke breit und vier Blöcke lang war. Sie wurde „Bathtub“ (Badewanne) genannt und dazu verwendet, die Keller der Türme abzudichten und das Wasser des Hudson River aus dem Fundament zu halten. Insgesamt mussten eine Million Kubikmeter Erdreich ausgehoben werden. Die Hafenbehörde nutzte den Aushub, um Land im Wert von 90 Millionen US-Dollar zu schaffen, das zu Battery Park City werden sollte. Um den Stahlrahmen des Gebäudes zusammenzusetzen, brachten Ingenieure in Australien hergestellte „Känguru“-Kräne mit; Kräne, die von Dieselmotoren angetrieben wurden und sich selbst hochfahren konnten, während das Gebäude Stockwerk für Stockwerk wuchs.

Am Ende der Bauarbeiten mussten diese Kräne demontiert und per Aufzug nach unten gebracht werden. Die vollendeten Türme hatten jeweils über 97 Personenaufzüge. Insgesamt wurden beim Bau der Türme mehr als 200.000 Tonnen schwere Stahlteile, 4.800 Kilometer Elektrokabel, 325.000 Kubikmeter Beton, 40.000 Türen, 43.600 Fenstern und sechs Hektar Marmor verarbeitet. Die Baukosten beliefen sich auf 900 Millionen US-Dollar.

 

 

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World Trade Center: Ein Traum wird wahr

Das letzte Stück Stahl wurde am 23. Dezember 1970 am Nordturm (One World Trade Center) angebracht; der Südturm (Two World Trade Center) wurde im Juli des nächsten Jahres fertiggestellt. Die Bauarbeiten dauerten bis April 1973, als der fünf Hektar große Platz im Freien, der von einer 10 Meter hohen Bronzeskulptur von Fritz Koenig geprägt wurde, angelegt worden war. Bei der offiziellen Eröffnung am 4. April verkündete Gouverneur Nelson Rockefeller (Davids Bruder) triumphierend: „Es kommt nicht oft vor, dass ein Traum wahr wird. Heute ist einer dieser Tage."

Mit 417 und 415 Metern Höhe waren die Türme des World Trade Centers nur weniger als ein Jahr lang die höchsten Gebäude der Welt; sie wurden bald von Chicagos Sears Tower übertroffen. Dennoch behielten die Türme eine unvergleichliche Mystik. Sie inspirierten unglaubliche Stunts, beginnend im August 1974, als Philippe Petit über ein Hochseil zwischen den beiden Türmen lief.

Im Mai 1977 verdiente sich George Willig den Spitznamen „Human Fly“ („menschliche Fliege“), indem er sich mit selbstgebautem Kletterwerkzeug auf die Spitze des Südturms emporarbeitete. Die Hafenbehörde förderte solche Stunts, weil sie die Türme bei der Öffentlichkeit beliebt machten und sie wie riesige Spielzeuge erscheinen ließen. Sie arbeiteten daran, die Türme zu einer Attraktion zu machen. Ein Restaurant, das im April 1976 im 107. Stock des Nordturms eröffnet wurde, feierte sofort Erfolge.

Bis 1983 waren die Einnahmen des World Trade Centers auf 204 Millionen US-Dollar gestiegen – der Firmensitz „World Trade Center“ war sehr gefragt. Kleinere Importeure und Exporteure wurden durch steigende Mieten mit der Zeit verdrängt und mussten großen Unternehmen Platz machen.

 

1993: Bombenanschlag auf das World Trade Center

Der erste große Test für die Konstruktion fand am 26. Februar 1993 statt, als eine Bombe mit einer Sprengkraft von 700 Kilo TNT im Parkhaus des Untergeschosses des Nordturms im zweiten Stock detonierte. Die Explosion tötete sechs Menschen, verletzte mehr als 1.000 weitere und verursachte einen geschätzten Schaden von 600 Millionen US-Dollar. Im Zusammenhang mit der Verschwörung wurden sechs islamische Extremisten vor Gericht gestellt und verurteilt.

Die Türme wurden 20 Tage nach dem Angriff mit neuen Sicherheitsmaßnahmen wiedereröffnet, darunter Einschränkungen des Zugangs zu Parkplätzen und elektronische Ausweise für Gebäudemieter. In den nächsten acht Jahren gab die Hafenbehörde insgesamt 700 Millionen US-Dollar für Renovierungen und Sicherheitsverbesserungen wie separaten Notrufzentralen in jedem Gebäude aus. Bürgermeister Rudy Giuliani richtete im World Trade Center 7, einem 47-stöckigen Bürogebäude neben den Türmen, eine High-Tech-Notrufzentrale ein, die als „Bunker“ bezeichnet wurde.

 

Das World Trade Center am 11. September 2001

Im Juli 2001, nur zwei Monate vor den Terroranschlägen vom 11. September, stimmte die Hafenbehörde zu, die Zwillingstürme an Larry Silverstein, einen New Yorker Investor, zu vermieten. Silverstein erklärte sich bereit, in den nächsten 99 Jahren umgerechnet 3,2 Milliarden US-Dollar zu zahlen. Zu dieser Zeit waren über 99 Prozent der Büroflächen, die von der Hafenbehörde vermietet wurden, belegt.

Die Auswirkungen der beiden Flugzeuge, die am 11. September 2001 die Türme des World Trade Centers trafen, waren verheerender, als es sich die Architekten und Ingenieure der Gebäude je hätten vorstellen können. Das erste Flugzeug riss vom 94. bis zum 98. Stockwerk ein Loch in den Nordturm, verursachte massive Schäden an der Struktur und entzündete ein Drittel des Kerosins, mit dem das Flugzeug betankt war. Das zweite Flugzeug traf mit noch höherer Geschwindigkeit auf den Südturm, schlug in der Ecke ein und riss ein Loch vom 84. bis ins 78. Stockwerk.

Feuerwehr, Polizei und weitere Rettungsdienste halfen am 11. September 25.000 Menschen dabei, das Gelände zu verlassen, bevor das Undenkbare geschah. Der an jedem Einschlagpunkt angerichtete Schaden führte dazu, dass das physische Gewicht der Türme neu verteilt wurde: Die unbeschädigten Stockwerke unter den Löchern mussten die darüber liegenden Etagen stützen. Gleichzeitig schwächten die in beiden Gebäuden wütenden Brände die Stahlträger, die jedes Stockwerk hielten. Dieser Last gab zuerst der Südturm nach, der um 9.59 Uhr, nur 56 Minuten nach dem Einschlag, einstürzte. Der Nordturm hielt nur eine halbe Stunde länger stand und kollabierte um 10:28 Uhr.

Die Welt richtete ihre Augen auf „Ground Zero“, wo der Einsturz einer geschätzten Ikone der amerikanischen Industrie ein klaffendes Loch in der Skyline New Yorks hinterlassen hatte.

 

One World Trade Center

Dieses Loch in der Skyline würde schließlich vom „One World Trade Center“ (früher „Freedom Tower") gefüllt werden , das noch höher ragt als die einstigen Zwillingstürme. Mit einer Höhe von 541,3 Metern ist das „One World Trade Center“ das höchste Gebäude in den Vereinigten Staaten und der westlichen Hemisphäre. Erbaut auf dem Gelände des einstigen World Trade Center 6, wurde es ursprünglich vom Architekten Daniel Libeskind als asymmetrischer Turm entworfen.

Im Jahr 2004 übernahm der Architekt David Childs, der sowohl für den Burj Khalifa als auch für den Willis Tower bekannt ist, die Leitung. Der Grundstein wurde am 4. Juli 2004 gelegt, das Gebäude wurde jedoch erst am 3. November 2014 eröffnet.

Das „One World Trade Center“ ist 104 Stockwerke hoch und verfügt über 325.000 Quadratmeter Nutzungsfläche, die vom „One World Observatory“, einer Aussichtsplattform, einer Bar und einem öffentlich zugänglichen Restaurant, abgerundet wird.

 

Wiederaufbau des World Trade Centers

Ein neuer Turm im 7 World Trade Center wurde 2006 eröffnet, das 2 Milliarden US-Dollar teure 4 World Trade Center folgte 2013. Das World Trade Center Oculus, eine vom spanischen Architekten Santiago Calatrava entworfene Durchgangshalle und gleichzeitig Einkaufszentrum, erbaut aus Glas und Stahl, wurde 2016 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, während das 3 World Trade Center 2018 eröffnet wurde. Silversteins 2 World Trade Center und 5 World Trade Center bleiben bisher unvollendet.

Das wiederaufgebaute 16 Hektar große World Trade Center-Areal umfasst auch das von Michael Arad entworfene „National 9/11 Memorial“. Sein Entwurf „Reflecting Absence“ umfasst zwei reflektierende Pools in den Grundrissen der ehemaligen Zwillingstürme, umgeben von Bronzetafeln mit den Namen aller 2.983 Opfer der Anschläge auf das World Trade Center von 1993 und 2001.

 

 

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