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Am 29. Mai 1953 erklommen der Neuseeländer Edmund Hillary und Sherpa Tenzing Norgay erstmals erfolgreich den Mount Everest, der 8.848 Meter hoch ist. Wir haben sieben spannende Fakten und Geschichten zu dem Berg zusammengetragen.

 

1. Bis zum 19. Jahrhundert kannte niemand das Himalaya-Gebirge

1802 starteten die Briten die sogenannte „Große Trigonometrische Vermessung“, um den indischen Subkontinent zu kartieren. Zuvor war den Europäern vor allem das Gebiet des Himalaya so gut wie unbekannt, denn Reisen nach Nepal und Tibet waren nicht möglich. Schweres Gerät, raues Gelände, Monsun, Malaria und Skorpione erschwerten die Arbeit der Vermesser. Trotzdem erstellten sie sehr genaue Berechnungen zu dem Gebirge. Der Mathematiker Radhanath Sikdar berechnete, dass der Himalaya – und nicht die Anden, wie zuvor angenommen – das höchste Gebirge der Welt ist. Bis 1852 hatte das Team den Everest, damals „Peak XV“, Gipfel 15, genannt, als dessen höchste Erhebung mit 29.002 Fuß (8.840 Meter) über dem Meeresspiegel identifiziert. Moderne GPS-Technologie zeigte später, dass der Berg 8.848 Meter hoch ist, was belegt, dass sie sich damals nur um wenige Meter verrechnet hatten. Schlussendlich setzte der britische Vermessungsexperte Andrew Scott Waugh 1856 durch, den Berg nach seinem Vorgänger George Everest, der viele Jahre die "Große Trigonometrische Vermessung" leitete, zu benennen, da ein einheimischer Name für den Gipfel nicht bekannt war.

Trotzdem trägt der Mount Everest nach wie vor noch weitere Namen. Auf Nepali heißt der Berg Sagarmatha, auf Tibetisch Qomolangma, auf alten chinesischen Karten wird er Chumulangma genannt, nach der Berggöttin Jomo Miyo Lang Sangma, die einer alten Sage nach auf dem Gipfel des Berges leben soll.

 

2. Hillary und Norgay könnten geschlagen worden sein

George Mallory, ein britischer Lehrer und Bergsteiger, nahm an den ersten drei dokumentierten Versuchen im Zeitraum von 1921 bis 1924 teil, den Mount Everest zu erklimmen. Vor der letzten dieser Expeditionen schrieb er: „Es ist fast undenkbar, dass ich nicht an die Spitze komme; Ich kann mich nicht besiegt sehen.“ Am 4. Juni 1924 schaffte es einer seiner Teamkollegen bis etwa 8.600 Meter, bevor er umkehrte. Mallory und Kletterpartner Andrew Irvine wagten einen weiteren Versuch. Sie verließen das 8.168 Meter hohe Lager VI am 8. Juni und wurden zuletzt an diesem Nachmittag in ihren Tweedmänteln, Schuhnägel-Stiefeln und mit anderer eher unprofessioneller Ausrüstung gesehen. Einige Leute glauben, dass Mallory und Irvine den Gipfel erreicht haben, bevor sie auf dem Weg nach unten gestorben sind. Eine Kamera, die sie angeblich bei sich trugen, könnte das Rätsel vielleicht lösen, doch sie wurde nicht gefunden, als Mallorys Leiche 1999 entdeckt wurde. Irvings Leichnam bleibt verschollen.

Erst 1953 konnte der Gipfel erstmals offiziell belegt erklommen werden. Der Neuseeländer Edmund Hillary und der Sherpa Tenzing Norgay erreichten am 29. Mai 1953 um 11:30 Uhr den Gipfel. Die Erstbesteigung wurde als Eroberung des „dritten Pols“, nach Nord- und Südpol, gefeiert. Hillary wurde daraufhin in den britischen Adelsstand erhoben. Ein Foto auf dem Gipfel existiert nur von Norgay, da dieser es wiederum nicht schaffte, die Kamera zu bedienen, um auch ein Bild von Hillary zu schießen.

 

3. Norgay hatte schon einmal fast die Spitze erreicht 
Nach Mallorys Tod 1924 scheiterten auch die nächsten 10 Expeditionen auf den Mount Everest. Tenzing Norgay sammelte wertvolle Erfahrungen durch die Teilnahme an sechs dieser Versuche. Er begann als Gepäckträger und entwickelte sich später zu einem vollwertigen Teammitglied. 1952 kamen er und ein Schweizer Kletterer in einen Umkreis von etwa 800 Meter um die Spitze – wahrscheinlich höher als jemals jemand zuvor. Er brach seinen eigenen Rekord im nächsten Jahr, indem er mit Hillary den Gipfel erreichte. Seitdem haben mehr als 4.000 andere Bergsteiger ebenfalls den Everest bestiegen, darunter Söhne von Hillary und Norgay.

 

4. Die Leichen von Verstorbenen werden oft am Weg zurückgelassen
Mehr als 300 Menschen starben beim Versuch, den Mount Everest zu erklimmen. Lawinen, Steinschläge, Schneestürme, Stürze, Höhenkrankheit, Kälte und Erschöpfung stellen oftmals eine tödliche Kombination dar – insbesondere in der sogenannten „Todeszone“ im Bereich von über 7.900 Metern. Da es anstrengend und gefährlich ist Leichname nach unten zu bringen, können sie oftmals nicht geborgen werden. Sie bleiben im Schnee gut erhalten und haben oftmals die zweifelhafte Ehre, als Wegweiser für vorbeikommende Kletterer zu dienen.

Der tödlichste Tag des Everest ereignete sich am 25. April 2015, als es in Folge eines Erdbebens der Stärke 7,8 einen Lawinenabgang gab, der das Basislager verschüttete. 19 Menschen verloren dabei ihr Leben, mehr als 9.000 starben an dem Tag in Nepal. 

Im Mai 1996 kamen bei einem Sturm, der durch Jon Krakauers Tatsachenbericht „In eisige Höhen“ Aufmerksamkeit erhielt, acht Menschen ums Leben. Doch Krakauers Werk hat nicht dazu beigetragen, die Flut der Menschen einzudämmen, die bereit sind, Zehntausende von Dollar für die Chance zu zahlen, den höchsten Berg der Erde zu erklimmen. In der Nähe der Spitze wurden Staus gemeldet, 2013 kam es zu einem Faustkampf zwischen drei europäischen Kletterern und mehr als 100 Sherpas. Nach wie vor sterben Bergsteiger bei dem Versuch, die Spitze des Mount Everest zu erreichen – allein im Jahr 2019 waren es elf.

 

5. Everests Müllproblem
Bereits 1963 schrieb ein Kletterer in einem Magazin, dass Teile des Mount Everest „der höchste Müllplatz der Erde“ geworden wären. Leere Sauerstoffflaschen, menschliche Exkremente, Lebensmittelverpackungen, kaputte Kletterausrüstung und zerrissene Zelte belasten die Umwelt. Bei einer einzigen Säuberung im Frühjahr 2011 wurden mehr als 8 Tonnen Müll auf dem Mount Everest entfernt – viele weitere Tonnen blieben zurück. Um dem Problem entgegenzuwirken, verlangt die nepalesische Regierung nun von Kletterern, dass sie ihre gesamte Ausrüstung zurückbringen, da sonst die Gefahr besteht, dass sie eine in bar zu entrichtende Kaution verlieren. In der Nähe des Berges wurden kürzlich auch neue Mülleimer und eine Müllverbrennungsanlage errichtet.

 

6. Nur wenige Tiere wagen sich in die höheren Bereiche des Everest
Der Sagarmatha-Nationalpark, zu dem der Mount Everest und die umliegenden Gipfel gehören, beherbergt in seinen tieferen Lagen eine Vielzahl von Säugetieren, Schneeleoparden, Moschusrotwild, roten Pandas und Himalaya-Tahr. Im Park leben auch etwa 150 Vogelarten. Auf über 6.000 Metern Seehöhe bleibt von der vielfältigen Tierwelt weiter unten nur wenig übrig. An diesem Punkt verhindert permanenter Schnee, dass selbst die widerstandsfähigsten Flechten und Moose überleben können. Zu den Ausnahmen zählen springende Himalaya-Spinnen, die bereits auf einer Höhe von 6.700 Metern gesehen wurden und vom Wind hochgetragene Insekten fressen. Alpenkrähen folgten Bergsteigern nachweislich schon bis zu einer Höhe von etwa 8.070 Metern. Sonst gibt es hier nur noch Bartgänse, die auf ihrem Weg vom tibetischen Plateau zu den Sümpfen Indiens über den Mount Everest ziehen.

 

7. Der Everest ist der höchste Punkt über dem Meeresspiegel, aber andere Berge sind höher
Der Gipfel des Mauna Kea, ein Vulkan auf Hawaii, liegt auf 4.205 Metern über dem Meeresspiegel. Aber weil er sich vom Meeresboden erhebt, beträgt seine Höhe von der Basis bis zum Gipfel tatsächlich 10.203 Meter, was ihn dieser Messung nach zum höchsten Berg der Welt macht. Auch ist der Everest dem Weltall nicht am nächsten. Aufgrund der Erdkrümmung, die am Äquator am größten ist, wird diese Ehre dem 6.263 Meter hohen Berg Chimborazo in Ecuador zuteil, da sein Gipfel vom Erdmittelpunkt am weitesten entfernt ist.