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Joaquin „El Chapo“ („Der Kleine“) Guzmán Loera, war Chef des Sinaloa-Kartells, der weltweit größten Drogenhandelsorganisation. Guzmán war seit 2001 das Ziel einer internationalen Jagd, als er aus einem mexikanischen Gefängnis floh, in dem er eine 20-jährige Haftstrafe verbüßte. Während seiner Jahre auf der Flucht wurde Guzmán durch „Narcocorridos“ gefeiert, mexikanischen Balladen, die den Drogenhandel verherrlichen, als Volksheld gefeiert, während er an Orten wie Chicago, wo sein Kartell für den Großteil des Drogenhandels verantwortlich war, zum Staatsfeind Nr. 1.

 

Kindheit und Jugend

Joaquín Archivaldo Guzmán Loera wurde in der ländlichen mexikanischen Stadt Badiraguato im Bundesstaat Sinaloa geboren. Das genaue Datum seiner Geburt ist umstritten, die einen Quellen nennen den 25. Dezember 1954, andere den 4. April 1957.

Guzmán wurde in eine Familie, der Unterschicht zugehörig, hineingeboren. Sein Vater war bereits im Drogenhandel tätig. Guzmán, der in der dritten Klasse die Schule abbrach, war in seinen Teenagerjahren aus dem Haus der Familie geworfen und dazu gezwungen worden, seinen eigenen Weg im Leben zu finden. Da es in seiner Heimatstadt kaum Beschäftigungsmöglichkeiten gab, wandte sich Guzmán dem Verkauf von Drogen zu. Im Alter von 15 Jahren bewirtschaftete er bereits seine eigene Marihuana-Plantage. Während dieser Teenagerjahre erwarb er sich den Spitznamen „El Chapo“ (Der Kleine) aufgrund seiner nur 1,68 Meter großen, stämmigen Statur.

 

Eintritt in das organisierte Verbrechen

Es dauerte nicht lange, bis er in die Welt des organisierten Verbrechens eintrat. Ende der 1970er Jahre arbeitete er für den Drogenbaron Héctor „El Güero“ (Blondy) Palma, für den er den Drogenverkehr in der Region Sinaloa (Nordwestmexiko) und in Richtung der US-mexikanischen Grenze überwachte. Guzmán war ehrgeizig und rücksichtslos. Durch seine gewalttätige Art hatte er seien Ruf bald gefestigt – er war bekannt dafür, jedem Schmuggler direkt in den Kopf schoss, wenn er sich mit einer Drogenlieferung verspätete.

In den frühen 1980er Jahren arbeitete Guzmán für Félix „El Padrino“ (Der Pate) Gallardo, dem damals führenden Drogenbaron in Mexiko und Chef des Guadalajara-Kartells. Guzmán wurde mit der Logistik beauftragt und koordinierte die Drogenlieferungen von Kolumbien nach Mexiko.

 

Ein Mord führt zur Macht

Als Gallardo 1989 wegen Mordes an einem US-Agenten, der in der Drogenbehörde tätig war, festgenommen wurde, wurden die vom Guadalajara-Kartell kontrollierten Gebiete aufgeteilt, sodass Guzmán und einige andere das Sinaloa-Kartell bilden konnten. Guzmán war nun fest auf dem Radar der US-Behörden und galt als einer der mächtigsten Drogenhändler Mexikos.

In den kommenden Jahren nutzte Guzmán die Razzien gegen kolumbianische Kartelle, um seinen eigenen Marktanteil zu vergrößern. Bald verlagerte sein Imperium tonnenschwere Kokainlieferungen von Kolumbien über mehrere Transportkanäle in die Vereinigten Staaten. Ein Teil seines Erfolgs war seine Kreativität in diesen Transportbereichen; Beispiele waren der Schmuggel von Kokainpulver in Feuerlöschern und Dosen mit der Aufschrift „Chili Peppers“.

Sein Kartell war auch an der Produktion und dem Vertrieb von Methamphetamin, Heroin, Ecstasy und Marihuana beteiligt. Es dauerte nicht lange, bis das Sinaloa-Kartell auf fünf Kontinenten und in fast 50 Ländern tätig war und damit zur mächtigsten Drogenhandelsorganisation der Welt wurde.

1993 versuchten rivalisierende Drogenhändler, Guzmán auf einem mexikanischen Flughafen zu ermorden, töteten aber stattdessen einen römisch-katholischen Kardinal, den sie für Guzmán hielten. Kurz darauf wurde Guzmán in Guatemala festgenommen und kehrte dann nach Mexiko zurück, wo er wegen Drogenhandels, Bestechung und Verschwörung zu 20 Jahren Haft verurteilt wurde. Eingesperrt in einem Hochsicherheitsgefängnis im mexikanischen Bundesstaat Jalisco, bezahlte Guzmán das Personal und führte sein kriminelles Unternehmen hinter Gittern weiter.

 

 

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Der erste Gefängnisausbruch

Im Jahr 2001, nachdem ein Urteil des Obersten Gerichtshofs von Mexiko die Auslieferung zwischen Mexiko und den Vereinigten Staaten erleichtert hatte, unternahm Guzmán einen kühnen Fluchtversuch. Nachdem Guzmán mehrere Wärter bestochen hatte, wurde er aus dem Gefängnis gerollt, versteckt in einem schmutzigen Wäschekorb. Die Flucht soll den Drogenboss über 2,5 Millionen Dollar gekostet haben. Über 70 Wärter waren darin verwickelt, einschließlich des Aufsehers, der jetzt wegen seiner Rolle bei dem Ausbruch hinter Gittern sitzt.

In den folgenden Jahren versteckte sich Guzmán in den Bergen von Sinaloa und anderen Teilen Mexikos und setzte Gewalt, Bestechung und ein großes Netzwerk von Informanten ein, um ihm zu helfen, erfolgreich vor der Justiz zu flüchten. Er entging den Strafverfolgungsbehörden 13 Jahre lang und ließ die Legende von El Chapo zum Volkshelden werden. Viele betrachteten ihn als Robin Hood-ähnliche Figur, unterstützt durch Geschichten, in denen er in Restaurants schlenderte, seine Leibwächter bat, allen Gästen die Telefone wegzunehmen, sein Essen einzunehmen, dann die Telefone zurückzugeben und die Rechnung für das gesamte Restaurant zu übernehmen. Die US-Regierung hat eine Belohnung von 5 Millionen Dollar für Informationen festgesetzt, die zu Guzmáns Verhaftung führen.

 

Milliardenschwerer Flüchtiger

Bis zu seiner nächsten Verhaftung im Jahr 2014 war El Chapo Milliardär. Im Jahr 2009 kündigte das Forbes Magazin ihn kontrovers als Nr. 701 auf ihrer Liste der reichsten Menschen der Welt an. Dies brachte sein Nettovermögen auf eine erstaunliche 1-Milliarde-Dollar. Er importierte mehr Drogen in die USA als jeder andere und wurde laut der US Drug Enforcement Administration (DEA) zum „führenden Drogenhändler aller Zeiten“. Sein Aufstieg an die Spitze der kriminellen Unterwelt war mit einem enormen Preis verbunden und hatte mehrere Drogenkriege ausgelöst, die Tausenden seiner Landsleute das Leben gekostet haben.

El Chapos Glück ging am 22. Februar 2014 zu Ende, nachdem er nach einer groß angelegten Operation in mehreren Ländern in einem Hotel in einem Strandgebiet von Mazatlán, Sinaloa, festgenommen worden war. Es fielen keine Schüsse.

Zum Zeitpunkt der Festnahme von Guzmán war das Sinaloa-Kartell vermutlich in etwa 50 Ländern aktiv. In den Vereinigten Staaten, wo Guzmán in mehreren Anklagen genannt wurde, bezeichnete Generalstaatsanwalt Eric Holder die Festnahme des Drogenbosses als „bahnbrechende Errungenschaft“ und sagte: „Die kriminelle Aktivität, die Guzmán angeblich geleitet hat, hat zum Tod und zur Zerstörung von Millionen von Menschenleben in der ganzen Welt beigetragen Welt durch Drogenabhängigkeit, Gewalt und Korruption.“

Mexiko lehnte US-Anträge auf Auslieferung von Guzmán an die USA ab und wollte, dass er in Mexiko angeklagt wird.

 

Der zweite Gefängnisausbruch

Am 11. Juli 2015 festigte El Chapo seinen Ruf als Houdini der Kriminellen, als er durch einen kilometerlangen Tunnel entkam, der von der Gefängnisdusche – dem einzigen Ort, an dem Kameras ihn nicht sehen konnten – zu einem im Bau befindlichen Haus in einer nahegelegenen Stadt führte. Der Bau des 9 Meter tiefen, 1,8 Meter hohen und weniger als einen Meter breiten Tunnels soll ein Jahr gedauert haben. Er war innerhalb von 25 Minuten, nachdem er zuletzt von Überwachungskameras beim Betreten des Duschbereichs gefilmt worden war, verschwunden.

 

Erneute Inhaftierung und Auslieferung an die USA

Nach einer sechsmonatigen Fahndung wurde Guzmán schließlich Anfang 2016 erneut festgenommen. Nach einem langwierigen Gerichtsstreit wurde er an die Vereinigten Staaten ausgeliefert, um sich einer Anklage in 17 Fällen zu stellen. Am 12. Februar 2019 wurde El Chapo in allen Anklagen für schuldig befunden. Am 17. Juli 2019 verurteilte ihn ein Bundesrichter in New York City zu lebenslanger Haft.

El Chapo sitzt zurzeit im Bundesgefängnis ADX Florence, dem laut US-Behörden sichersten zivilen Gefängnis der USA, ein. Nur die Zeit wird zeigen, ob El Chapo einen erneuten Fluchtversuch unternehmen wird.

 

 

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