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Pizza hat eine lange Geschichte. Fladenbrote mit Belag wurden bereits von den alten Ägyptern, Römern und Griechen zubereitet. Letztere aßen eine Variante mit Kräutern und Öl, ähnlich der heutigen Focaccia. Aber der Geburtsort der „modernen“ Pizza ist die südwestitalienische Stadt Neapel in der Region Kampanien.

 

Vom Armeleuteessen zum Mahl für Könige

Neapel wurde um 600 v. Chr. als griechische Siedlung gegründet und war im 17. und frühen 18. Jahrhundert eine aufblühende Hafenstadt. Eigentlich ein unabhängiges Königreich, war es berüchtigt für seine Scharen an Arbeitern und Lazzaroni, die arbeits- und wohnungslose Unterschicht Neapels. „Je näher man der Bucht kam, desto dichter war die Stadt besiedelt. Ein Großteil des Lebens der Menschen spielte sich draußen ab, manchmal auch in Wohnungen, die kaum mehr als ein Zimmer hatten“, sagt Carol Helstosky, Autorin von „Pizza: A Global History“ und außerordentliche Professorin für Geschichte an der Universität von Denver.

Diese Neapolitaner benötigten preiswerte Lebensmittel, die schnell verzehrt werden konnten. Pizza – Fladenbrote mit verschiedenen Belägen, die zu jeder Tageszeit gegessen und von Straßenverkäufern oder informellen Restaurants verkauft wurden – erfüllten diesen Bedarf. Die Römer hatten die belegten Fladen schon Jahre zuvor nach Italien gebracht. Diese frühen Pizzen, die von den Armen Neapels konsumiert wurden, enthielten bereits die Beläge, die heute beliebt sind, wie Tomaten, Käse, Öl, Sardellen und Knoblauch.

Italien wurde 1861 vereint. König Umberto I. und Königin Margherita besuchten 1889 Neapel. Der Legende nach langweilte sich das reisende Paar an der französischen Haute Cuisine und bat um eine Auswahl an Pizzen der Pizzeria Brandi, dem Nachfolger der Pizzeria Da Pietro, gegründet 1760. Die Sorte, die die Königin am meisten genoss, hieß Pizza Mozzarella, ein Fladenbrot mit Mozzarella, roten Tomaten und grünem Basilikum. Dass die Pizza die Farben der italienischen Flagge hatte, soll kein Zufall gewesen sein. Von da an, so die Legende, hieß diese spezielle Belagkombination Pizza Margherita.

Das Wohlgefallen von Königin Margherita hätte der Beginn eines landesweiten Pizza-Wahns sein können. Doch bis in die 1940er Jahre blieb Pizza in Italien über die Grenzen Neapels hinaus nur wenig bekannt.

 

 

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Entwicklung in den USA

Einen Ozean entfernt jedoch brachten Einwanderer aus Neapel ihre krosse Pizza in die Vereinigten Staaten, nach New York und in andere amerikanische Städte, darunter Trenton, New Haven, Boston, Chicago und St. Louis. Die Neapolitaner kamen wegen Fabrikjobs, ebenso wie Millionen anderer Europäer im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert. Recht schnell begannen die verschiedensten Pizza-Variationen, Nicht-Neapolitaner und Nicht-Italiener zu faszinieren. Aufgrund der Tatsache, dass in den USA manche Zutaten schwer zu bekommen waren, verbreitete sich die „American Style Pizza“ mit einem dickeren Boden. Anders als ihr italienischer Vorfahre wurde sie meist in der Pfanne zubereitet.

Eine der ersten dokumentierten Pizzerien in den Vereinigten Staaten war G. (für Gennaro) Lombardi's in der Spring Street in Manhattan, die 1905 zum Verkauf von Pizza lizenziert wurde. Davor war das Gericht hausgemacht oder wurde von nicht lizenzierten Verkäufern geliefert. Lombardi's, immer noch in Betrieb, obwohl nicht mehr an seinem Standort von 1905, hat noch denselben Ofen wie damals. Für Europäer ist die dort verkaufte „American Pizza“ mit dickem Boden und sehr viel Belag eher gewöhnungsbedürftig.

 

Siegeszug der Nachkriegspizza

Als Italo-Amerikaner vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg von den Städten in die Vororte und von Ost nach West zogen, boomte die Popularität von Pizza in den Vereinigten Staaten. Es wurde nicht mehr als „ethnische“ Leckerei angesehen, sondern zunehmend als schnelles, leckeres Essen. Es entstanden regionale, entschieden nicht-neapolitanische Variationen, darunter schließlich kalifornische Gourmet-Pizzen mit allem, von gegrilltem Hähnchen bis zu geräuchertem Lachs.

Die US-Nachkriegspizza erreichte schließlich wiederum Italien und den Rest der Welt. „Wie Blue Jeans und Rock’n’Roll wurde die Pizza im Rest der Welt, einschließlich in Italien, populär, einfach weil sie amerikanisch war“, erklärt Autor John Mariani.

 

Aktuelle Entwicklungen

Heute gibt es internationale Außenposten amerikanischer Ketten wie Domino's und Pizza Hut in etwa 60 verschiedenen Ländern. Globale Pizzabeläge spiegeln den lokalen Geschmack wider und können von Gouda-Käse auf Curaçao bis zu hartgekochten Eiern in Brasilien reichen.

Immer wieder kommen neue Variationen auf den Markt und ältere, wie etwa die Pinsa, rücken regelmäßig erneut in den Vordergrund.

In den 1960er-Jahren eroberte die Tiefkühlpizza nach und nach die Welt. Allein in Deutschland wurden im Jahr 2020 über 377.400 Tonnen Tiefkühlpizza verkauft, was einen Anstieg um 34,5 Prozent im Vergleich zum Jahr 2010 bedeutet.

 

 

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