„Jede Form der Kunst bietet eine Chance, etwas zu verarbeiten, das traumatisierend war." - Aglaia Szyszkowitz

Sarajevo, Bosnien-Herzegowina

Aglaia Szyszkowitz auf dem Friedhof vor der Olympiahalle Juan Antonio Samaranch (ehemals Olympiahalle Zetra) in Sarajevo, wo tausende Opfer des Bosnienkrieges begraben sind. Szyszkowitz kam nach Sarajevo, um unter anderem Edin Numankadić, den Direktor des Olympischen Museums und Zeitzeuge des Bosnienkrieges, zu treffen. Numankadić berichtete der Schauspielerin vom Bombardement auf das Olympische Museum von Sarajevo, das der Direktor als gezielten Angriff auf das historische Erbe Sarajevos bezeichnete.

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Friedhof Mezarje Stadion

Der Friedhof Mezarje Stadion befindetsich neben der Olympiahalle und demOlympischen Museum. Vor dem Kriegwar das Gelände des heutigen FriedhofsTeil des olympischen Geländes.


Olympiahalle Juan Antonio Samaranch (ehemals Olympiahalle Zetra)

Das olympische Eisstadion "Juan Antonio Samaranch" in Sarajevo wurdefür die 14. Olympischen Winterspielevon 1984 erbaut. Nur einige Jahre nachden Winterspielen wurde die Spielstätte zum Kriegsschauplatz. Während des Bosnienkrieges wurde sie mehrfach schwer beschädigt und durch einen Bombenangriff im Sommer 1992schließlich nahezu vollständig zerstört. Ihre Überreste dienten anschließen dals Leichenhalle. Der Wiederaufbau begann 1997, finanziert durch eine Spende des Olympischen Komitees, und dauerte drei Jahre.


Olympisches Museum

Das Olympische Museum wurde zeitgleich mit den Olympischen Winterspielen am 8. Februar 1984 in Sarajevo eröffnet. Mit einer Kombination aus Kunst und Sport zeigt das Museum den universellen Wert des olympischen Geistes. Ziel des Museums ist es, die menschlichen Werte und die kulturellen Errungenschaften, die mit den Olympischen Spielen in Verbindung stehen, zu präsentieren. Während des Bosnienkrieges wurde das Museum 1992 durch den Beschuss mit Granaten zerstört. Zur Feier des 20-jährigen Jubiläums der Olympischen Winterspiele von 1984 wurde das Museum am 8. Februar 2004 wiedereröffnet.

Die Hüter

Edin Numankadić

Edin Numankadić ist Künstler, Zeitzeuge des Bosnienkrieges und Direktor des Olympischen Museums. Mit dem Museum möchte er auf den kulturellen Geist der Olympischen Spiele als eine zivilisatorische Errungenschaft der Menschheit aufmerksam machen. Edin Numankadić über die Bombardierung des Olympischen Museums:"Ich glaube, sie haben damals etwasbombardiert, das für unsere Identität stand. Etwas, das wichtig für die kulturelle Geschichte Sarajevos war." Numankadić rettete seinerzeit unter Lebensgefahr einige Ausstellungsstücke aus der Asche.


Nationalbibliothek Vijećnica

Das Gebäude wurde zwischen 1892 und 1894 als Rathaus erbaut. Seit 1947 wurde es als National- und Universitätsbibliothek genutzt. Während des Bosnienkrieges wurde in der Nacht vom 25. aufden 26. August 1992 die Nationalbibliothek, in Sarajevo bekannt als Vijećnica, gezielt von den serbischen Belagerernbeschossen. Mehr als zwei Millionen unersetzliche Bücher und Dokumente sind bei diesem Angriff verbrannt. Die Nationalbibliothek wurde wiederaufgebaut und gilt heute als Mahnmal. Einige Bücher und Dokumente retteteeine Gruppe um den Schauspieler Josip Pejaković vor dem Flammen. Dieses Material befindet sich heute auf dem Campus der Universität, nicht in der wiederaufgebauten Bibliothek.

Josip Pejaković und Aglaia Szyszkowitz im wiederaufgebauten Gebäude der Nationalbibliothekvon Sarajevo. Szyszkowitz, die in Österreich nahe der slowenischen Grenzeaufwuchs, sagt: "Ich habe viele Menschen getroffen, die nach diesen vier Jahren desBosnienkriegs nach wie vor traumatisiert sind, die aber eine ungeheure Kraft entwickelthaben, damit umzugehen. Ich denke, dass jede Form der Kunst eine Chance bietet,etwas zu verarbeiten, das traumatisierend war, für die Beteiligten wie auch für die,die von außen zusehen mussten. Es gab viele Künstler, die in dieser Zeit nach Sarajevogereist sind: Die Regisseurin Susan Sontag zum Beispiel hat vor Ort ein Theaterstückrealisiert. Kultur bietet die Möglichkeit, Dinge zu verarbeiten und darauf aufmerksamzu machen, was ein Krieg anrichten kann. Es ist wichtig, allen klar zu machen, dass esdiese Kulturstätten gibt und dass sie erhalten werden müssen."

Die Hüter

Josip Pejaković

Josip Pejaković ist ein bosnischer Schauspieler,Schriftsteller und Kabarettist sowie ein buchstäblicher "Hüter der Geschichte": Er setzte sich während des Bosnienkrieges und der verheerenden Zerstörung der Nationalbibliothek für die Rettung zahlreicher Bücher, Zeitschriften und Dokumente und damit von kulturellem Erbe ein. "Diejenigen, die diese Bibliothek zerstört haben, haben damit auch versucht, unsere Identität zu zerstören. Denn ohne Kultur geht alles auf das Level eines Tieres zurück. Und genau das war das Ziel derer, die das getan haben", so Pejaković.

Hier geht es zum Web-Interview mit Josip Pejaković

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Montag, 25.12., 16.35 Uhr