Der deutsch-deutsche Konflikt

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Mit der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands am 8. Mai 1945 war der Weg geebnet für die Aufteilung des ehemaligen Deutschen Reichs in die vier Besatzungszonen unter sowjetischer, amerikanischer, britischer und französischer Verwaltung. Während in den drei Westzonen eine demokratisch-pluralistische und kapitalistische Entwicklung eingeschlagen wurde, kam die sowjetisch besetzte Zone unter zunehmende Kontrolle deutscher moskautreuer Kommunisten. Als Reaktion auf die Teilstaatgründung der Bundesrepublik Deutschland am 23. Mai 1949 wurde die Deutsche Demokratische Republik am 7. Oktober desselben Jahres auf dem Gebiet der Ostzone errichtet. Deutschland war in zwei Staaten geteilt, letzte Versuche einer Wiedervereinigung blieben erfolglos.


Die beiden deutschen Staaten wurden wichtige Verbündete der gegnerischen Parteien im Kalten Krieg. 1955 erfolgte die Aufnahme der Bundesrepublik zur NATO, wenig später wird der Warschauer Pakt unter Einbeziehung der DDR gegründet. Mit dem Bau der Berliner Mauer im August 1961 zementierte die DDR die Teilung Deutschlands. Die Front des Kalten Krieges in Europa verlief nun mitten durch Berlin und die Ängste vor sowjetischem Expansionismus und westlichen Imperialismus beherrschten das jeweilige Denken. Die sich verschärfende Systemkonkurrenz bedingte die tiefe Feindschaft zwischen der Bundesrepublik und der DDR, die sich vor allem in die andere Seite diffamierende Propaganda und verbalem Säbelrasseln ausdrückte. Jedoch blieb es nicht ausschließlich bei Wortgefechten.

An manchen heißen Schauplätzen des Kalten Krieges begegneten sich auch Vertreter der beiden deutschen Staaten. So auch zur Zeit des Vietnamkrieges, wo die Unterstützung der Bundesrepublik für die eine Seite auf die Unterstützung der DDR für die andere Seite des Eisernen Vorhangs prallte. Während die Bundesrepublik zum zweitgrößten Geldgeber für Südvietnam aufstieg und sich mit einem breiten humanitären Engagement für die Zivilbevölkerung einsetzte, lieferte die DDR dem kommunistischen Norden Kredite, militärische Ausbilder und Waffen. Für beide Seiten wurde der Krieg in Vietnam als existenzielle Bedrohung ihrer eigenen Sicherheit wahrgenommen. Für viele Westdeutsche wurde die Freiheit Berlins in Saigon verteidigt. Die DDR Agitatoren hingegen stellten den Krieg, den die Amerikaner und ihre westdeutschen Verbündeten gegen die Guerillas der Vietcong und die nordvietnamesische Armee führten, als ein Vorspiel für den Kampf der "imperialistischen Allianz" gegen die ostdeutsche Republik dar.

Der Vietnamkrieg stellt für beide deutschen Staaten eine gesellschaftliche Zäsur dar. Im Westen ist der Krieg ein zentrales Thema der Studentenbewegung und kann mit den Frankfurter Kaufhausbränden vom April 1968 als Initialzündung der RAF gewertet werden. Im Osten stärkte die offene und weitreichende Solidarität mit dem kommunistischen Bruderland das eigene Selbstverständnis der Bevölkerung im antiimperialistischen Kampf und half die DDR auf der internationalen Bühne aufzuwerten.

Mit der Entspannungspolitik unter Bundeskanzler Willy Brandt und dem allmählichen wirtschaftlichen Zerfall des Ostblocks und der DDR setzte eine neue Dynamik im Kalten Krieg ein, der auch das deutsch-deutsche Verhältnis nachhaltig prägte. Der Fall der Mauer 1989 und die Wiedervereinigung Deutschland 1991 stellten den Endpunkt einer über 40 Jahre wehrenden Teilung auf deutschem Boden dar.