PR, HISTORY/ Getty, Bilan: Napola Ballenstedt, Sinnbild für Nazi-Ideologie und SED-Regime

Die Todeszone von Tschernobyl

Am 26. April 1986 ereignete sich im Kernkraftwerk Tschernobyl nahe der ukrainischen Stadt Prypjat eine der größten Umweltkatastrophen der Geschichte. Die Nuklearkatastrophe in Block 4 des Kernkraftwerkes verseuchte weite Teile Europas mit radioaktivem Niederschlag – die Auswirkungen sind noch heute spürbar, auch in Deutschland – in unserer Nahrung und in den Köpfen der Menschen. Das Kernkraftwerk und das Gebiet im Umkreis von 30 Kilometern sind nach wie vor eine Sperrzone. Verlassene Städte, überwucherte Häuser und verfallene Gebäude zeugen von der Flucht der Bevölkerung im Umkreis des Atomkraftwerks im April 1986.

Mehr als 3000 Kilometer haben Wigald Boning und Urban Explorer sowie YouTuber Fritz Meinecke zurückgelegt, um anlässlich des 30. Jahrestages des katastrophalen Unfalls, mithilfe von Experten und Zeitzeugen zu ergründen, wie es zu dem verheerenden Unglück kommen konnte. Trotz des zunehmenden Katastrophentourismus ist der Zugang zu dem Gebiet nicht jedem möglich. Wer den 30-Kilometer-Radius rund um das Kernkraftwerk Tschernobyl betreten will, muss sich registrieren lassen. Mit Stirnlampen, Schutzkleidung und Dosimeter, um die hohe Strahlenbelastung einschätzen zu können, starten Wigald Boning und Fritz Meinecke ihre Entdeckungstour.

Im Rahmen der Dreharbeiten entstand ein Drohnenvideo, das die verlassene Stadt Prypjat aus der Vogelperspektive zeigt. Die Luftaufnahmen zeigen, wie die Natur diesen verlassenen Ort zurückerobert. Zu sehen sind Schauplätze wie die verlassenen Häuser der ehemals 50.000 Bewohner Prypjats, der heruntergekommene Freizeitpark, der kurz nach der Katastrophe eröffnet werden sollte und das Gebiet um den Reaktor, in dem das Unglück passierte.

Wladimir Usatenko

Die Zeitzeugen

Wladimir Usatenko: Nach dem Super-GAU im April 1986 war er für ein halbes Jahr vor Ort am Atomkraftwerk Tschernobyl als Liquidator tätig. Seine Aufgabe war es, den hochradioaktiven Schutt am beschädigten Reaktorblock 4 aufzuräumen. Heute leidet er an über 20 verschiedenen Krankheiten, darunter Kreislaufprobleme, Magengeschwüre und ständige Kopfschmerzen. In seiner Funktion als Abgeordneter, langjähriger Chef der Tschernobyl-Kommission des ukrainischen Parlaments und späterer Berater hat er einen wichtigen Beitrag zu vielen Gesetzen zum Strahlenschutz und zur Sicherheit von Atomanlagen geleistet.

Dr. Sebastian Pflugbeil

Dr. Sebastian Pflugbeil: Der Physiker und Präsident der Gesellschaft für Strahlenschutz e. V. reiste gemeinsam mit Wigald und Fritz in die Ukraine. Dort überwachte er die Sicherheitsvorkehrungen und stand den Geschichtsjägern beratend zur Seite. In seiner Zeit als Minister ohne Geschäftsbereich in der DDR stellte er für den Zentralen Runden Tisch der Volkskammer ein ausführliches Dossier über die Kernkraftwerke der DDR zusammen. Er gehört außerdem zu den wenigen Menschen, die das Innere der Beton-Schutzhülle um den explodierten Reaktor in Tschernobyl – den sogenannten Sarkophag – betreten und untersucht haben. Von 1993 bis 2015 war er Vorsitzender des Vereins Kinder von Tschernobyl.

Die Geschichtsjäger

Bildergalerie

Ein Blick hinter die Kulissen in Tschernobyl