Ab 7. April, 20 Uhr

Ausführliche Biografie

Nostradamus, der heute wie ein Rockstar nur unter diesem einen Namen bekannt ist, war ein französischer Arzt und Astrologe des 16. Jahrhunderts, dem die Prophezeiung aller möglichen Ereignisse von der Machtergreifung Hitlers bis zum terroristischen Anschlag am 11. September 2001 zugeschrieben wurde. Nostradamus (die latinisierte Version seines Geburtsnamens Michel de Nostredame) fasste seine unheilvollen Voraussagen, die sich häufig um verheerende Tragödien wie Naturkatastrophen und Kriege drehten, in einer Reihe von Büchern zusammen, die von 1555 an veröffentlicht wurden. Diese Prophezeiungen, die die Zeitspanne von seiner eigenen Epoche bis zum Ende der Welt umfassten, waren seit ihrem Erscheinen umstritten, ebenso wie ihr rätselhafter Schöpfer, der als Genie, aber auch als Quacksalber angesehen wurde. Er ist noch heute eine faszinierende Persönlichkeit.

Nostradamus wurde am 14. Dezember 1503 in Saint-Rémy-de-Provence im Süden Frankreichs geboren. Die wunderschöne Landschaft und das besondere Licht dieser Gegend sollten später einen anderen Mann inspirieren, der ebenfalls ein bleibendes Vermächtnis hinterlassen hat: Vincent van Gogh. Der Künstler verbrachte ein Jahr in Saint-Rémy, von 1889 bis 1890, und erlebte dort eine der wichtigsten und produktivsten Perioden seines Schaffens.

Nostradamus wurde am 14. Dezember 1503 in Saint-Rémy-de-Provence im Süden Frankreichs geboren. Die wunderschöne Landschaft und das besondere Licht dieser Gegend sollten später einen anderen Mann inspirieren, der ebenfalls ein bleibendes Vermächtnis hinterlassen hat: Vincent van Gogh. Der Künstler verbrachte ein Jahr in Saint-Rémy, von 1889 bis 1890, und erlebte dort eine der wichtigsten und produktivsten Perioden seines Schaffens.

Nostradamus kam in den frühen Jahren der französischen Renaissance zur Welt, einer Zeit, die sich mit neu erwachtem Interesse dem Studium der Natur und der Forschung widmete. Christoph Kolumbus unternahm seine berühmte Entdeckungsreise im Jahrzehnt vor Nostradamus' Geburt. Über die Kindheit des Wahrsagers ist nur wenig bekannt. Sein Vater war ein Kaufmann und Notar, dessen Familie vom jüdischen Glauben zum Christentum konvertierte. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts zwang der französische König Ludwig XII. die Juden dazu sich taufen zu lassen oder das Land zu verlassen. Man geht davon aus, dass Nostradamus als Kind alte Sprachen, Astrologie und möglicherweise auch geheime jüdische Schriften studiert hat. Als Heranwachsender wurde er in Avignon ausgebildet und studierte später Medizin an der angesehenen medizinischen Schule von Montpellier.

Nach seiner Studienzeit reiste Nostradamus durch Südfrankreich und kümmerte sich um Pestkranke. Die Pandemie der Pest, die auch als "Schwarzer Tod" bekannt ist, begann wahrscheinlich im 14. Jahrhundert in Asien und breitete sich bis nach Europa aus, wo wiederholte Ausbrüche während des 17. Jahrhunderts die Bevölkerung in verschiedenen Ländern stark dezimierten. Die Krankheit, die durch Flöhe und Nagetiere übertragen wurde, war hoch ansteckend, brach sehr schnell aus und verursachte starke Schmerzen. Sie führte häufig zu Wahnvorstellungen und sorgte für schwarze Pusteln am ganzen Körper der Kranken. Nostradamus erarbeitete sich mit ungewöhnlichen Methoden den Ruf, auch schwere Fälle erfolgreich behandeln zu können. Er verordnete sauberes Wasser, frische Luft und Bettruhe und ließ Patienten Berichten zufolge nicht zur Ader, wie es zu dieser Zeit üblich war. Außerdem soll er die mehrfarbige "magische" Robe gemieden haben, die einige Pestärzte zum Schutz vor Ansteckung trugen.

Nach diesen Jahren als Heiler auf Wanderschaft kehrte Nostradamus nach Montpellier zurück, um die Promotion in Medizin anzustreben. In den frühen 1530er Jahren wurde er von Julius Caesar Scaliger, einem der führenden französischen Humanisten und Gelehrten dieser Zeit, nach Agen eingeladen. Um 1534 heiratete Nostradamus dort eine Frau aus der Gegend (deren genaue Identität nicht bekannt ist) und bekam mit ihr eine Tochter und einen Sohn. Die Pest erreichte schließlich auch Agen und Nostradamus engagierte sich unermüdlich im Kampf gegen die Krankheit. Dennoch starben seine Frau und die Kinder an der Pest, wahrscheinlich um 1537, und die Wirksamkeit seiner Heilmethoden wurde dadurch in Frage gestellt. Die Familie seiner Ehefrau verklagte ihn auf Rückgabe der Mitgift und sein einst freundschaftliches Verhältnis zu Scaliger verschlechterte sich. Doch damit nicht genug: Nostradamus, der ein frommer Katholik war, wurde außerdem zu dieser Zeit wegen einer unvorsichtigen Bemerkung, die er über eine Statue in einer Kirche gemacht hatte, der Ketzerei angeklagt. Er wurde von der Inquisition nach Toulouse vorgeladen, zog es aber vor, die Gegend zu verlassen, statt sich vor Gericht verantworten zu müssen. Die nächsten sechs Jahre verbrachte er auf Reisen, höchstwahrscheinlich durch Italien und Frankreich.

Um 1544 kehrte Nostradamus nach Frankreich zurück und arbeitete mit dem Arzt Louis Serre in Marseille an Behandlungsmethoden gegen die Pest. Überflutungen sorgten in dieser Region für katastrophale hygienische Verhältnisse und führten zu einem weiteren Ausbruch der Pest, die in den kommenden Jahren dort wütete. Nostradamus behandelte 1546 Opfer der Krankheit in Aix-en-Provence und ließ sich anschließend in Salon-de-Provence nieder, wo er 1547 seine zweite Frau, Anne Ponsarde, heiratete, mit der er sechs Kinder hatte. Nachdem er sesshaft geworden war, vertiefte er sich in das Studium der Astrologie und interessierte sich für Geheimlehren. Er arbeitete bis spät in die Nacht in seinem Arbeitszimmer und fiel dort Berichten zufolge in tranceartige Zustände, in denen er Visionen hatte. 1550 veröffentlichte er seinen ersten Almanach, der allgemeine Vorhersagen für jeden Monat des Jahres enthielt. Das Buch war sehr erfolgreich und so erstellte er von nun an bis zu seinem Tod jedes Jahr einen neuen Almanach. Als sich sein Ruf verbreitete, kamen Anhänger der Oberschicht zu ihm und baten ihn darum, ihnen Horoskope zu erstellen.

1555 veröffentlichte Nostradamus die erste Folge seines ehrgeizigsten Projekts, einer zehnteiligen Reihe von weit in die Zukunft reichenden Prophezeiungen, die als "Les Propheties" ("Die Prophezeiungen") bekannt werden sollten. Er unterteilte das Werk in zehn "Centurien", von denen jede 100 prophetische, gereimte Vierzeiler (sogenannte Quatrains) enthielt. Aus unbekannten Gründen besteht die siebte Centurie nur aus 42 Vorhersagen. Die Centurien sind gewollt geheimnisvoll und kryptisch gehalten und in einer Vielzahl von Sprachen verfasst (Französisch, Altgriechisch, Latein und Italienisch), außerdem in Anagrammen und Rätseln, die Nostradamus davor schützen sollten, als Magier beschuldigt zu werden.

Die Centurien steigerten die Bekanntheit von Nostradamus und machten die französische Königin Katharina von Medici auf ihn aufmerksam, die den Seher 1556 zu einer ärztlichen Beratung an den Königshof rief. Die Königin wurde eine treue Anhängerin von Nostradamus, der später zum Leibarzt der königlichen Familie ernannt und darum gebeten wurde, Horoskope für die sieben Kinder zu erstellen. Eine Prophezeiung, die für die Königin von besonderer Bedeutung gewesen sein soll, findet sich in Quatrain 1,35, der nach einer weit verbreiteten Auffassung den Unfalltod von König Heinrich II. voraussagte: "Der junge Löwe wird den alten überwinden/Auf dem Kampfplatz in einem einzigen Gefecht/Er wird seine Augen durch einen goldenen Käfig durchstechen/Aus zwei Wunden wird eine werden, und er stirbt eines schrecklichen Todes." Nostradamus soll den König Berichten zufolge gewarnt haben, sich in seinem 41. Lebensjahr nicht auf Zweikämpfe einzulassen. Nostradamus' Ansehen wuchs, als seine Prophezeiung 1559 wahr zu werden schien: Der König wurde - in seinem 41. Lebensjahr - bei einem Unfall während eines Turniers getötet. In der Folge dieses Ereignisses nannten böse Zungen Nostradamus schlecht und zerstörerisch, seine Anhänger jedoch suchten ihn nach wie vor auf und auch die Königin unterstützte ihn weiterhin. Sie besuchte ihn sogar 1564 in Salon-de-Provence.

Im Sommer 1566 ging es mit der Gesundheit des Sehers bergab. Am 1. Juli ließ der prophetische Heiler, der an Gicht litt, einen katholischen Priester rufen und empfing von ihm die Sterbesakramente. Berichten zufolge soll er einem Freund mitgeteilt haben, dass er den nächsten Tag nicht überleben werde. Wie vorausgesagt wurde er am nächsten Tag tot aufgefunden, vermutlich an einem Ödem verstorben. Heute ist er in der Kirche St. Laurent in Salon-de-Provence begraben.

Nostradamus' Ruhm hat sich nach seinem Tod noch vermehrt. Seine Anhänger behaupten, dass er über echte hellseherische Kräfte verfügte und eine lange Liste von Ereignissen der Weltgeschichte vorausgesagt haben soll, darunter die Französische Revolution, den Großen Brand von London, den Ersten Weltkrieg, den Tod von Präsident John F. Kennedy und Prinzessin Diana sowie auch die Katastrophe, die das amerikanische Space Shuttle Challenger ereilt hat. Kritiker werfen ihm dagegen vor, seine Vorhersagen seien reine Spekulation gewesen und für Propagandazwecke missbraucht und von übereifrigen Befürwortern missinterpretiert worden. Außerdem wurde sein Name mit Vorhersagen in Verbindung gebracht, die nicht von ihm stammen. Die Debatte um den Mann und seine mysteriösen Prophezeiungen begann vor über 400 Jahren und wird auch in Zukunft noch viele Jahre andauern.

Kuriose Fakten über Nostradamus

Nostradamus behandelte Pestkranke mit Pillen, die er aus Rosenblättern gewann. Er wies die Patienten an, die Pillen jederzeit unter der Zunge zu haben, und behauptete, die Rosen-Arznei helfe außerdem gegen Mundgeruch und Zahnfäule.

Zusätzlich zu Astrologie und Medizin kannte sich Nostradamus auch mit Küchentätigkeiten aus. 1555 veröffentlichte er ein Buch mit Rezepten für Kosmetik, Parfüm und der Konservierung von Früchten.

Nostradamus sagte das Ende der Welt für 3797 voraus.

Während seiner Jahre in Salon-de-Provence investierte Nostradamus viel Geld in ein ehrgeiziges Kanalbau-Projekt des Ingenieurs Adam de Craponne, das als Bewässerungssystem für die ausgedörrte Region gedacht war. Der Kanal wurde erfolgreich umgesetzt und existiert noch heute.

Gegen Ende des Jahres 1561 wurde Nostradamus verhaftet und kurzzeitig eingesperrt, weil er es versäumt hatte, sich die Erlaubnis für die Veröffentlichung seines Almanachs für 1562 von den Behörden ordnungsgemäß einzuholen.

Einer Legende nach traf Nostradamus einmal auf einen jungen Franziskanermönch, der in Italien Schweine hütete. Zum Erstaunen der Umstehenden sprach er den einfachen Mönch äußerst respektvoll mit "Eure Heiligkeit" an. Dieser Mönch, Felice Peretti, sollte 1585 - Jahre nach Nostradamus' Tod - Papst Sixtus V. werden.

Eine weitere Legende besagt, dass Nostradamus mit einem Schriftstück beerdigt wurde, das die Geheimnisse seiner Prophezeiungen enthielt. Im Jahr 1700 beschloss die Stadtverwaltung von Salon-de-Provence, seinen Sarg an einen geeigneteren Ort umzubetten. Im Zuge dieses Vorhabens wurde er geöffnet. Im Inneren fand man zwar kein Schriftstück, wohl aber ein Medaillon mit der Aufschrift "1700", was die Menschen dazu veranlasste zu glauben, der Prophet habe das Jahr vorhergesehen, in dem sein Sarg geöffnet werden würde.

Obwohl Nostradamus im Sommer 1566 starb, wurde der Almanach für das Jahr 1567 noch veröffentlicht, da er ihn in weiser Voraussicht noch vor seinem Tod fertiggestellt hatte.

Das Haus in Salon-de-Provence, in dem Nostradamus mit seiner zweiten Frau und den gemeinsamen Kindern gelebt hat, existiert noch heute und steht als Museum Besuchern offen. Jeden Sommer feiert die Stadt zu Ehren ihres weltberühmten Bürgers ein Fest.

Nach Angaben der New York Times war das meistgesuchte Wort bei Google in den Tagen nach den Anschlägen des 11. September 2001 "Nostradamus".